Hypotonie: Sommerfrische für den Kreislauf

Thema im August

Gerade bei hohen Temperaturen leiden Menschen mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie) besonders stark. Es kommt zu Kreislaufstörungen mit Schwindelgefühlen oder Müdigkeit und Erschöpfung. Doch Abhilfe ist möglich.

Zu niedriger Blutdruck

Von Hypotonie spricht man, wenn der systolische Blutdruckwert unter 95 mmHg sinkt. Dieser Wert entsteht, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und das Blut in die Arterien pumpt.

Der von Haus aus niedrigere diastolische Blutdruck ist jener Druck, der ständig im Gefäßsystem herrscht. Er liegt bei Hypotonikern etwa bei 60 bis 65 mmHg.

Der Begriff Hypotonie stammt aus dem Griechischen (hypo = unter und tono = Spannung). Ein niedriger Blutdruck muss allerdings nicht zwangsläufig Beschwerden verursachen. Manche Betroffene fühlen sich in keiner Weise beeinträchtigt.

Andere wiederum zeigen die typischen Anzeichen für niedrigen Blutdruck:

  • Abgeschlagenheit
  • Leistungs- und Konzentrationsschwäche
  • Schwindelanfälle, insbesondere beim Aufstehen oder bei längerem Stehen
  • Schwarzwerden vor den Augen
  • Angstgefühle
  • Allgemeines Unwohlsein
  • Depressive Verstimmungen
  • Frösteln, Blässe, kalte Hände und/oder Füße
  • Stiche und Beklemmungen in der Herzgegend
  • Nächtliche Schlafstörungen

Im Sommer können sich die Beschwerden leicht durch Hitze und Flüssigkeitsverlust sowie durch das vermehrte Schwitzen verstärken.

Vielfältige Ursachen

Was die niedrigen Blutdruckwerte verursacht, ist in den meisten Fällen nicht bekannt.
Besonders häufig sind große, schlanke Menschen betroffen – vielfach auch jüngere Frauen.

Bei älteren Menschen lässt oft die nachlassende Elastizität der Gefäße den Blutdruck sinken. Ihnen wird dann typischerweise beim Aufstehen schwindlig.

Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Ursache für einen niedrigen Blutdruck sein. Im Fall einer Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörung schlägt das Herz nicht mehr kräftig genug, um eine ausreichende Blutmenge in das Kreislaufsystem zu pumpen.

Bei einer Nebenniereninsuffizienz werden zu wenig Hormone produziert, die den Wasser- und Salzhaushalt im Körper regulieren. Auch dieser Hormonmangel kann Ursache für die Hypotonie sein.

Einen niedrigen Blutdruck verursachen auch zahlreiche Medikamente. Dazu zählen beispielsweise Psychopharmaka (z.B. trizyklische Antidepressiva) oder Medikamente gegen Parkinson.

Zu einem Absinken des Blutdrucks kann es auch kommen, wenn man körperlich inaktiv ist, viel unter Stress leidet oder die Flüssigkeitszufuhr zu gering ist.

Von Hypotonie als Krankheit spricht man allerdings erst dann, wenn Beschwerden vorhanden sind und die Blutdruckwerte so niedrig sind, dass die Durchblutung der lebenswichtigen Organe wie Gehirn, Herz und Nieren nicht mehr voll gewährleistet ist.

Den Kreislauf in Schwung bringen

Insbesondere im Sommer sollte man bei niedrigem Blutdruck längeres Stehen sowie schweres Heben und Pressen vermeiden. Auch üppige Mahlzeiten, Alkohol und heiße Wannenbäder sind nicht empfehlenswert.

Außerdem sollten Hypotoniker, so schwer es auch fällt, auf Sonnenbäder verzichten – zumindest, wenn ihnen ihr niedriger Blutdruck Beschwerden bereitet.

Um den Kreislauf auf Trab zu bringen, können folgende Tipps hilfreich sein:

Eine morgendliche Wechseldusche regt die Durchblutung und damit den Kreislauf an. Kalt bildet dabei immer den Abschluss. Einen kreislaufstabilisierenden Effekt haben Bürstenmassagen. Dabei sollte man an den Beinen beginnen und zum Herzen hin bürsten.

Ausreichend Flüssigkeit (zwei bis drei Liter pro Tag) ist gut für die Durchblutung.
Empfehlenswert sind (Mineral-)Wasser, Kräutertee und Saftschorlen. Noch vor dem Aufstehen sollten Betroffene ein großes Glas Wasser trinken. In der Nacht verliert der Körper durch Schwitzen und Atmung etwa einen halben Liter.

Nach dem Aufstehen noch ein paar Minuten liegen bleiben und sich räkeln und strecken – das regt den Kreislauf an.

Auch Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke sind für den Hypotoniker erlaubt, insbesondere dann, wenn der Blutdruck plötzlich absackt, z.B. bei morgendlichen Anlaufschwierigkeiten.

Ausreichend Bewegung bringt den Kreislauf ebenfalls auf Touren. Empfehlenswert ist regelmäßiger Ausdauersport wie z.B. Schwimmen, Rad fahren, Wandern oder Gymnastik. Wer mit dem Sport erst beginnt, sollte es am Anfang nicht übertreiben, da der Blutdruck zunächst am Tag nach dem Sport abfällt.

Hilfe aus dem Pflanzenreich

Bei einem niedrigen Blutdruck können Rosmarin, Besenginster, Weißdorn und Maiglöckchen Abhilfe verschaffen. Diese Pflanzen erhält man als Präparat einzeln oder als Gemisch bei uns in der Apotheke – lassen Sie sich bitte entsprechend beraten.

Ein Vollbad mit Rosmarinextrakt wirkt anregend. Dazu 50 g Rosmarin mit einem Liter kochendem Wasser übergießen und die Flüssigkeit bedeckt 30 Minuten ziehen lassen. Den abgeseihten Sud dann dem Badewasser zufügen.

Aus der Homöopathie gibt es ebenfalls verschiedene Mittel, die bei einem niedrigen Blutdruck hilfreich sein können.

Im Akutfall kann Veratrum album D6 (Weißer Germer) wirksam sein. Dies gilt insbesondere bei Schweißausbrüchen, Schwindel und Übelkeit. Dann können im Abstand von drei Minuten drei Mal jeweils fünf Globuli genommen werden.

Haplopappus D3 (Baylahuenkraut) wirkt bei niedrigem Blutdruck, der sich im Sommer verschlimmert. Vor allem, wenn einem bei langem Stehen schwindlig wird, kann man zu diesem Homöopathikum greifen. Allerdings handelt es sich um kein Akutmittel, sondern man sollte Haplopappus kurmäßig (4 Wochen 3 Mal täglich 5 Globuli) anwenden.

Gut gewürzte Speisen regen den Kreislauf an, daher sollten Hypotoniker nicht mit Salz sparen. Auch Ingwer und Ginseng haben eine anregende Wirkung.

Bei den ersten Anzeichen eines Ohnmachtsanfalls, z.B. Ohrensausen, Schwindel oder kalter Schweiß auf der Stirn, sollte man sofort dafür sorgen, dass das Gehirn besser durchblutet wird. Dazu legt man sich auf den Boden und lagert die Beine hoch – meist tritt eine rasche Besserung ein.

IFEMEDI, Institut für ernährungsmedizinische Information