Erste Hilfe bei Vergiftungen

Thema im April

Im Prinzip gilt für jede Substanz die Aussage von Paracelsus, dass jeder Stoff im menschlichen Organismus eine giftige Wirkung entfalten kann, wenn nur die aufgenommene Menge groß genug ist. Alltagsgifte lauern überall im Haushalt und in der freien Natur.

Haushalt birgt größte Gefahr

Der Haushalt ist in puncto Vergiftungen eine der größten Gefahrenquellen überhaupt und dies vor allem für Kinder. Die meisten Vergiftungen geschehen aus Versehen und verlaufen glücklicherweise glimpflich.

An erster Stelle stehen dabei Vergiftungen mit Medikamenten, fast gleichauf gefolgt von Haushaltsmitteln, waschaktiven Substanzen und anderen chemischen Produkten. An dritter Stelle der Häufigkeit rangieren die saisonal bedingten Vergiftungen mit Pflanzen.

Betroffen sind vor allem die kleinsten Kinder. Der Altersschwerpunkt bei Vergiftungen im Kindesalter liegt bei Kleinkindern von ca. einem bis vier Jahren. Das hängt damit zusammen, dass Kinder und Kleinkinder von Natur aus neugierig sind – und das ist eigentlich gut.

Aber diese Entdeckungsfreude kann auch gefährlich werden. Sie öffnen Flaschen, bedienen eine Spraydose oder stecken sich feste Gegenstände ohne Zögern in den Mund. Auch falsche Behältnisse, zum Beispiel Säuren und Reinigungsmittel umgefüllt in Getränkeflaschen, die das Kind als solche auch entdeckt, können zum Verhängnis werden – und dies auch bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Das Gefährdungspotential insbesondere von Haushaltsprodukten überrascht nicht, wenn man die Vielfalt ihrer Inhaltsstoffe näher betrachtet.

Was hilft, wenn es passiert?

Erste Anzeichen einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen oder plötzlicher Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen oder Schwindelgefühl. Tritt eines dieser Anzeichen auf, dann ist es ratsam, sofort den Giftnotruf zu wählen.

Die Telefonnummer der zuständigen Notrufzentrale können Sie bei Ihrem Apotheker erfahren. Dort beraten Ärzte und Spezialisten rund um die Uhr. Sie können auch beurteilen, ob Gefahr besteht und ein Notarzt gerufen werden muss.

Wichtig ist es, bei einem Anruf die so genannten W-Fragen beantworten zu können: Wer ist betroffen (wie alt, wie schwer), was und wie viel wurde eingenommen, welche Beschwerden sind aufgetreten und was ist bisher unternommen worden?

Der Betroffene muss die giftige Substanz möglichst schnell wieder erbrechen. Dies gilt aber nicht für ätzende oder schaumbildende Stoffe. Dazu kann man die Rachenwand mit einem Löffelstiel reizen.

Auf keinen Fall sollte man Salzwasser zum Auslösen von Erbrechen zu trinken geben, da dies für ein Kleinkind eine tödliche Dosis sein kann, wenn es dabei nicht erbricht. Viele Gifte sind gut fettlöslich.

Daher sollte auch keine Milch zu Trinken gegeben werden, da dann die Giftaufnahme in den Organismus beschleunigt werden kann. Oft reicht es, wenn das betroffene Kind viel Wasser ohne Kohlensäure oder Tee trinkt, da Gifte verdünnt und dadurch Schleimhautreizungen vermieden werden können.

Vorbeugen ist besser

Es gibt jedoch Möglichkeiten, einer versehentlichen Vergiftung vorzubeugen. Haushaltschemikalien müssen immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Am Besten eignen sich dafür abschließbare Schränke.

Arzneimittel, Reinigungsmittel oder andere Chemikalien dürfen wegen der Verwechslungsgefahr nie in Lebensmittelbehälter umgefüllt werden. Die Originalbehälter sind mit Warnhinweisen beschriftet, die im Notfall für den Arzt wichtige Hinweise enthalten.

Auf keinen Fall darf auf dem Wickeltisch in Griffweite des Babys oder für Geschwisterkinder erreichbar Puder abgestellt werden. Das Einatmen größerer Mengen von Puder ist hoch gefährlich für die Lunge.

Im Garten sollten keine giftigen Pflanzen eingesetzt werden. Dazu gehören insbesondere Goldregen, Eibe, Tollkirsche, Blauer und Roter Fingerhut. Pfaffenhütchen, Seidelbast und die Stechpalme haben ebenfalls in einem Haushalt mit Kleinkindern nichts zu suchen.

Im Haus dürfen rauchende Eltern ihre Zigaretten niemals offen liegen lassen. Kleinkinder stecken sie womöglich in den Mund – sie haben es bei den Erwachsenen gesehen und kauen darauf herum.

Darauf ist ebenfalls zu achten

Dabei können schon wenige Tabakkrümel tödlich sein. Das gleiche gilt auch für alkoholische Getränke. Sie gehören hinter Schloss und Riegel. In Haushalten mit kleinen Kindern dürfen auch keine Gläser mit Alkoholresten unachtsam stehen gelassen werden.

Batterien, insbesondere Knopfzellen, immer unter Verschluss aufbewahren. Verschluckte Batterien können in der Speiseröhre stecken bleiben und dort Druckschäden sowie Verätzungen mit späteren Verwachsungen hervorrufen.

Auch im häuslichen Umfeld wie Garage oder Garten niemals chemische Substanzen wie Frostschutzmittel, Lösungsmittel oder Pflanzendünger achtlos oder gar geöffnet stehen lassen.

Hält sich das Kind regelmäßig in anderen Haushalten auf, z. B. bei Großeltern oder einer Tagesmutter, so sollte sicher gestellt sein, dass diese Vorsichtsmaßnahmen auch dort eingehalten werden.

Vorsicht sollte im Übrigen auch dann gelten, wenn im Haushalt ältere Menschen leben, die unter Verwirrtheit, etwa Morbus Alzheimer, aber auch unter anderen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen leiden.

IFEMEDI, Institut für ernährungsmedizinische Information